BALAH, Gazastreifen – Während Israel eine neue Militäroperation vorbereitet, fliehen Tausende Palästinenser aus Gaza-Stadt, um der eskalierenden Gewalt zu entgehen. Seit Freitag haben nach Angaben des Site Management Cluster rund 14.840 Bewohner die Stadt verlassen, die meisten zogen in den Süden, etwa 2.200 weitere verlegten sich innerhalb der Stadt.
Teile von Gaza-Stadt sind inzwischen zu „Roten Zonen“ erklärt worden; die Behörden fordern die Bewohner auf, die Gebiete vor den erwarteten schweren Gefechten zu verlassen. Viele, die während der Waffenruhe im Januar zurückgekehrt sind, stehen nun vor Ungewissheit: Ihre Häuser sind zerstört, Alternativen zum Umzug sind rar.
Zerstörung und Schwierigkeiten bei der Umsiedlung
Israelische Bulldozer haben Viertel wie Zeitun und Sabra dem Erdboden gleichgemacht; Satellitenbilder von Anfang August und September bestätigen, dass ganze Wohnblocks eingeebnet wurden. Bewohner wie Mohammed Alkurdi berichten, wie sie die Zerstörung ihrer Viertel hörten, während israelische Truppen vorrückten. Besonders Ältere, Beschäftigte im Gesundheitswesen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität haben größte Schwierigkeiten, die Stadt zu verlassen; oft fehlt es an Ressourcen oder Unterstützung.
Amal Seyam, Leiterin des Gaza Women’s Affairs Center, wurde im Verlauf des Krieges bereits fünfmal vertrieben, jedes Mal ohne Hab und Gut, hilft aber trotz der andauernden Gefahr weiterhin anderen.
Südliche Gebiete wie Rafah und Chan Yunis, einst Zufluchtsorte für Vertriebene, sind inzwischen überfüllt oder weitgehend zerstört. Familien wie die von Iman El-Naya und Shorouk Abu Eid berichten von überfüllten Lagern, steigenden Preisen für Lebensmittel und Wasser sowie kaum vorhandener Privatsphäre. Andere, darunter Amjad Shawa, zögern mit dem Aufbruch; sie verweisen auf die Mühe, ältere Angehörige und Habseligkeiten unter diesen Bedingungen zu transportieren.
Hilfsorganisationen drängen auf sofortige Unterstützung für die Vertriebenen. Das UN-Hilfswerk UNRWA ruft zu effizienter Hilfe auf, um sowohl den akuten Bedarf als auch mögliche Langzeitvertreibung zu bewältigen. Eine enge Koordination zwischen lokalen Behörden, Hilfsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen ist entscheidend, während sich die Krise weiter zuspitzt.
Die Bewohner von Gaza-Stadt stehen vor einer harten Entscheidung: in einer akut gefährdeten Zone bleiben oder in begrenzte und teure Notunterkünfte umziehen. Angesichts Tausender Vertriebener, zerstörter Häuser und überlasteter Grundversorgung müssen Familien unter extremen Bedingungen beinahe unmögliche Entscheidungen treffen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Evakuierungen sicher gelingen – oder ob sich die humanitäre Lage weiter verschärft.