Israel hat am Donnerstag die Leichen von 15 Palästinensern nach Gaza zurückgebracht und damit den letzten Austausch in der ersten Phase der von den USA vermittelten Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas abgeschlossen. Die Übergabe erfolgte wenige Tage, nachdem Israel die sterblichen Überreste des letzten israelischen Gefangenen geborgen und identifiziert hatte – eine zentrale Bedingung der im Oktober vereinbarten Waffenruhe.
Die Leichen wurden mit Unterstützung des Roten Kreuzes übergeben und ins Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht, wie Zaher al-Wahidi, Sprecher des Gesundheitsministeriums von Gaza, mitteilte. Im Rahmen der Waffenruhe hatte sich Israel verpflichtet, für jeden geborgenen Geisel 15 palästinensische Leichen zurückzugeben.
Weiterhin ist unklar, ob es sich bei den am Donnerstag übergebenen Überresten um in israelischer Haft verstorbene Häftlinge oder um Palästinenser handelt, die bei israelischen Militäreinsätzen in Gaza getötet wurden.
Rückkehr von Gefangenen und Toten nach Waffenruhe
Seit Inkrafttreten der Waffenruhe hat Israel rund 2.000 palästinensische Gefangene freigelassen, viele davon ohne formelle Anklage, und etwa 360 palästinensische Leichen zurückgegeben. Die Identifizierung verläuft schleppend – Behörden in Gaza veröffentlichen Fotos, um Familien die Wiedererkennung ihrer Angehörigen zu ermöglichen. Laut al-Wahidi konnten bislang etwa 100 der zurückgegebenen Leichen identifiziert werden.
Der Austausch folgte auf die Mitteilung Israels Anfang der Woche, dass die sterblichen Überreste von Ran Gvili, einem 24-jährigen israelischen Polizisten, geborgen wurden. Er war beim Hamas-geführten Angriff am 7. Oktober 2023 getötet worden, der den Krieg auslöste. Bei dem Angriff wurden rund 1.200 Menschen getötet und 251 Geiseln nach Gaza verschleppt.
Rafah-Grenzübergang bleibt geschlossen
Obwohl US-Beamte den Start einer zweiten Waffenruhe-Phase angekündigt haben, dauern die Kämpfe an. Das Gesundheitsministerium von Gaza berichtet, dass seit Beginn der Waffenruhe 492 Palästinenser getötet wurden – Zahlen, die von UN-Organisationen als weitgehend zuverlässig eingestuft werden, auch wenn sie nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterscheiden.
Im Fokus steht jetzt der Rafah-Grenzübergang zu Ägypten. Laut israelischer Behörden könnte er bald zumindest für einzelne medizinische Evakuierungen geöffnet werden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betont allerdings, dass er vorerst für den Warenverkehr geschlossen bleibt – und Gaza damit weiter isoliert ist.