Gaza: Acht Palästinenser nahe Hilfsstelle getötet, Hunger und Gewalt spitzen sich zu

Acht Palästinenser sind am frühen Sonntagmorgen in Rafah im Süden des Gazastreifens getötet und Dutzende weitere verletzt worden, nachdem bei von Israel und den USA unterstützten Lebensmittelausgabestellen Schüsse fielen. Zeug*innen berichten, dass israelische Kräfte noch vor Tagesanbruch das Feuer auf die Wartenden eröffneten, die hofften, an die knappen Hilfsgüter zu gelangen. Das israelische Militär äußerte sich nicht zu dem Vorfall.

Die Schüsse fielen in der Nähe von Hilfszentren, die von der Gaza Humanitarian Foundation betrieben werden – einer Organisation, die von Israel und den USA als Ersatz für das UN-geführte Verteilnetz unterstützt wird. Die Vereinten Nationen lehnen das neue System ab und sprechen von einem Verstoß gegen humanitäre Normen. Sie warnen zudem, dass die Einrichtung von Ausgabestellen in israelisch kontrollierten Militärzonen – die für Journalist*innen tabu sind – weitere Vertreibungen provozieren und den Zugang zu Hilfe einschränken könnte.

Zunehmende Gewalt und Hunger

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Seit dem Start des neuen Systems im vergangenen Monat werden nahezu täglich Schusswechsel in der Nähe dieser Standorte gemeldet. Das Nasser-Krankenhaus in Gaza bestätigte den Eingang der acht Leichen; Gesundheitsbehörden berichten, dass allein in den letzten 24 Stunden insgesamt 65 Menschen im Gazastreifen getötet wurden, auch bei anderen Angriffen. Die meisten der rund zwei Millionen Einwohner*innen sind inzwischen vollständig auf internationale Hilfe angewiesen, da die lokale Lebensmittelversorgung nach Monaten des Krieges und der Blockade zusammengebrochen ist.

Der Krieg begann nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden. Israel startete daraufhin eine Militäroffensive, die laut Gesundheitsministerium in Gaza bislang mehr als 55.000 Palästinenser*innen das Leben kostete; Frauen und Kinder stellen demnach den Großteil der Opfer.

Die Hilfslieferungen sind stark zurückgegangen: In der vergangenen Woche erreichten lediglich 292 Lastwagen den Gazastreifen – weit weniger als die 600 während der letzten Feuerpause. Fast 90 % der Bevölkerung sind vertrieben; Bewohner*innen schildern den Alltag als ständigen Kampf ums Überleben. Unabhängige Berichterstattung aus den Hilfszonen bleibt eingeschränkt.